Auspuffanlagen und Homologationen

Einleitung

Besonders in Bezug auf Auspuffanlagen fallen Stichwörter wie "Gruppe N" oder "Gruppe A". Doch was bedeuten diese Gruppen, sind es nur Verkaufsphrasen oder haben diese Angaben einen tatsächlichen Nutzen für den normalen Alfafahrer? Es wäre zu aufwendig, hier alle Bestimmungen im Detail zu nennen und zu erläutern, da kaum jemand sein Fahrzeug homologieren wird. Doch wir möchten ein wenig Licht ins Dunkel bringen und aufzeigen, was tatsächlich dahinter steckt.

 

Homologation

Was ist das eigentlich? Es bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, nichts anderes, als sein Fahrzeug für den Rennsport zuzulassen. Das Fahrzeug wird, je nach den Bestimmungen der Kategorie, in der es zugelassen werden soll, von offizieller Stelle wie z.B. der FIA (Fédération Internationale de l´Automobile) oder dem DMSB (Deutscher Motor Sport Bund e.V.) abgenommen.
Die Kriterien der jeweiligen Kategorien können sich von Jahr zu Jahr verändern (so wie es vielleicht aus der Formel 1 bekannt ist), eine jährliche Erneuerung ist erforderlich. Nicht nur Fahrzeuge, auch z.B. Renn-Overalls und Feuerlöscher müssen den Bestimmungen entsprechen und entsprechend von den Herstellern homologiert werden, damit sie im Rennsport eingesetzt werden dürfen. Um ein Fahrzeug homologieren zu lassen, wird ein Homologationsblatt benötigt. Das Zertifikat muss bei internationalen Wettbewerben von der FIA zertifiziert worden sein oder bei nationalen Veranstaltungen von der entsprechenden Organistion des jeweiligen Landes. Detailierte Informationen erteilt die nationale Organisation (z.B. DMSB e.V.) oder die FIA.

 

Wertungsgruppen

Da es wenig Sinn macht, einen Porsche GT3 gegen einen Alfa 145 2.0 TS in einem Rennen gegeneinander antreten zu lassen, gibt es die Wertungsgruppen zur Klassifizierung der jeweiligen Fahrzeugs/Motorentyps. Jede Wertungsgruppe hat genaue Vorgaben für alle Bereiche. Vom Fahrwerk über Motor, Getriebe bis hin zur Abgasanlage ist alles bis ins kleinste Detail pro Wertungsgruppe festgelegt. Auch vermeitlich gleiche Fahrzeuge können je nach Modifikationen in unterschiedlichen Wertungsgruppen starten. Innerhalb der Wertungsgruppen werden die Fahrzeuge in Hubraumklassen eingeteilt. Turbo-Fahrzeuge werden meist mit dem Faktor 1.7 bewertet (Hubraum x 1.7 = Bewertungsgrundlage für die Hubraumklasse).
Durch die Klassifizierungen wird ein Wettrüsten verhindert und eine Basis für einen fairen Wettkampf geschaffen. Die nachfolgenden Fahrzeugtypen/Motoren sind gemäß den Festlegungen der FIA eingestuft (Stand 12/2003, Auszug):

Produktionswagen  
Gruppe N 
Tourenwagen  
Gruppe A 
Grand-Touring-Fahrzeuge  
Gruppe B 
Cross-Country-Fahrzeuge  
Gruppe T 
Gelände-LKW's  
Gruppe T4 
Motoren für Formel 3  
Gruppe F3 
Motoren für Super Tourisme  
Gruppe C2 
Klasse 1-Fahrzeuge  
Gruppe C1 
Super Touring Fahrzeuge  
Gruppe ST 
Grand Touring Fahrzeuge  
Gruppe GT 
Grand Touring Fahrzeuge, Klasse 1  
Gruppe GT1 
Grand Touring Fahrzeuge, Klasse 2  
Gruppe GT2 
Serien Grand Touring Fahrzeuge  
Gruppe N-GT 

 

Definitionen der Wertungsgruppen A und N

Gruppe A
Tourenwagen mit großen Produktionmengen
Es müssen mindestens 2500 identische Einheiten innerhalb von 12 Monaten gebaut worden sein.
Es sind nur Serienteile zugelassen, diese dürfen jedoch in ihrer Form durch Bearbeitung verändert werden. So ist es möglich, die Motorenleistung zu verdoppeln und durch Fahrwerksveränderungen die Straßenlage zu verbessern. Analog zur Gruppe A gibt es die Gruppe B, die sich nur im Gewicht und der Reifenbreite unterscheidet. Hiervon müssen 200 Einheiten innerhalb von 12 Monaten gebaut worden sein.

Gruppe N
Tourenwagen mit Großserienfahrzeugen
Auch in der Gruppe N müssen mindestens 2500 identische Einheiten innerhalb eines Jahres gebaut worden sein. Das Fahrzeug muss mindestens 4 Sitzplätze ab Werk haben. Es sind nur Serienteile zugelassen, deren Abänderungen sehr eingeschränkt sind. Erlaubt sind ausschließlich Teile oder Veränderungen, die das Fahrverhalten, die Fahrleistung, die Motorleistung und die Kraftübertragung des Fahrzeuges nicht wesentlich beeinflussen. Insbesondere dürfen Getriebe- und Achsübersetzungen nicht verändert werden. Erlaubt sind jedoch Überrollbügel, Schalensitze, Sportlenkrad, Sportfahrwerke mit ABE. Differenzialsperren und Spurverbreiterungen sind nur dann erlaubt, wenn diese ab Werk ohne Aufpreis geliefert werden oder eine ABE vorhanden ist.

 

Auspuffanlagen nach Gruppe A und N Reglement

Doch kommen wir jetzt zur Eingangsfrage zurück. Was ist eigentlich eine Gruppe N oder ein Gruppe A Auspuffanlage?

Das Reglement der Gruppe A lässt ein durchgehendes Rohr ohne Katalysator zu. Modifikationen am Krümmer sind erlaubt, allerdings sind die verwendeten Krümmer zu homologisieren.

Das Reglement der Gruppe N beschränkt den Durchmesser auf den Seriendurchmesser der Originalanlage (Rohrdurchmesser nach dem ersten Dämpfer, bei Doppelrohr-Anlagen wie z.B. beim Alfa 75 wird der Querschnitt beider Rohre zugrunde gelegt).
Zusätzlich muss ein Katalysator vorhanden sein, und der Geräuschpegel darf bei 3.500 U/min 102 dB nicht überschreiten (gemessen nach FIA Spezifikationen - Stand 2003, es gibt noch etliche Sonderregelungen, aber sie sind nicht so relevant und würden den Rahmen dieses Artikels sprengen). Weitere Auszüge des Reglements für die Gruppe N: Die verwendeten Schalldämpfer müssen rund oder oval sein, die Lamdasonde darf maximal 20 cm hinter dem Krümmer sitzen, und die Abgase müssen am Ende des Fahrzeugs ausgeführt werden, das Endrohr darf maximal 10cm herausragen.

Bei Rennen, die nicht auf speziellen Rennstrecken gefahren werden, gelten die nationalen Bestimmungen des Landes (in Deutschland also 74dB bei Fahrzeugen, die nach 1983 zugelassen wurden und weniger als 140 kW Leistung haben).

 

Legal, illegal und optimal - Sound nach Wunsch

Eine Kurzauflistung zu Elementen von Auspuffanlagen.

Sportkatalysatoren sind, sofern sie eine Zulassung haben, bedenkenlos einsetzbar. Sie bringen bei aktuellen Alfas vielleicht 1-2 kW an Mehrleistung, lassen wir es 3kW sein, es wird niemand wirklich spüren da die aktuellen Fahrzeuge ohnehin alle reichlich kW haben. Der Sound wird davon wenig beeinflusst > Nicht wirklich empfehlenswert.

Katalysator-Attrappen und Ersatzrohre sind in zweierlei Hinsicht illegal, sie verstossen gegen die StVZO und der Eigentümer des Fahrzeugs hinterzieht Steuern! Sollte die Polizei darauf aufmerksam werden, wird das Fahrzeug sofort stillgelegt und es folgt eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung sowie Geldstrafen und Gebühren, die auf alle Fälle im vierstelligen Euro-Bereich liegen > Absolut nicht empfehlenswert.

Sogenannte "Gruppe N-Rohre", auch Mittelschalldämpfer-Ersatzrohre genannt, erzielen ebenfalls keine spürbare Mehrleistung. Durch den Einsatz eines solches Rohres wird allerdings der Sound deutlich lauter und dumpfer/tiefer. Vor allem in Kombination mit einem V6-Motor sind sie aus soundtechnischer Sicht ein Leckerbissen. ABER: Sie sind ebenfalls illegal und der Betrieb verstösst gegen die StVZO. Die Konsequenzen sind allerdings deutlich harmloser, mit ca. 3 Punkten und einem dreistelligen Eurobetrag kommt der Erwischte davon.

Sport-Mittelschalldämpfer (MSD) und Endschalldämpfer (ESD) sind, sofern sie eine E-Nummer haben, eintragungsfrei und vollkommen legal einsetzbar. Schalldämpfer mit Gutachten, bei denen die Anlage beim TÜV vorgeführt werden muss, gibt es nicht mehr (Ausnahmen mag es geben). Je nach Auspuff-Hersteller und Fahrzeugtyp gibt es unterschiedliche Sound-Charakteristiken.
Ragazzon - sehr laut, sehr gut verarbeitet, im unteren Drezahlbereich sehr brummig und mit Erhöhung der Drehzahl erhöht sich auch stark die Frequenz. Diese Anlagen sind nicht unbedingt für typische Reiselimousinen geeignet, die viele Kilometer pro Jahr gefahren werden.
CSC - laut, gut verarbeitet (dies gilt nicht für alle Edelstahlanlagen!), im unteren Drehzahlbereich brummig und bei höherer Drehzahl nicht ganz so hochfrequent und kernig wie die Ragazzon-Anlagen
Supersprint - ebenfalls laut (bei den meisten Typen), sehr gut verarbeitet und in jedem Frequenzgang kernig brummelig.
Novitec - laut bis sehr laut, sehr gut verarbeitet und mit 3 Jahren Garantie, im gesamten Drehzahlbereich brummig kerniger Sound.


 

Fazit

Es kann keine Gruppe A Anlagen mit ABE oder Gutachten geben. Gruppe A Anlagen mit Schalldämpfer sind ein reiner Verkaufstrick der Anbieter, da z.B. keine Schalldämpfer benötigt werden.

Ebenfalls kann es keine echten Gruppe N Anlagen mit Gutachten geben, weil diese ebenfalls den erlaubten dB-Wert nach §49 StVZO deutlich überschreiten. Es sollte sich also niemand durch solch irreführenden Angaben verrückt machen lassen :)